Frauengesundheit: Frauen brauchen gleiche Chancen auf Gesundheit

Mehr als die Hälfte aller in Österreich lebenden Menschen sind Frauen, insgesamt 4,6 Millionen. Daher ist das Thema Frauengesundheit – beginnend bei der medizinischen Forschung über die Ausbildung der Gesundheitsdienstleistenden bis zur Versorgung – eine gesellschaftspolitische Agenda.

Doch Frauen sind auch im Bereich Gesundheit strukturell benachteiligt. Das könnte durch die richtigen Maßnahmen verändert werden. 

Diskriminierung macht nicht vor der Gesundheit halt 

Geschlecht und Gender sind wesentliche Faktoren für Gesundheit und Krankheit. Frauen unterscheiden sich häufig in ihrem Gesundheitsverhalten und ihren Krankheitsverläufen von Männern. Die Lebenserwartung von Frauen liegt zwar über der von Männern, aber Frauen verbringen im Schnitt 19,3 Jahre in mittelmäßiger bis schlechter Gesundheit (Männer: 16,2 Jahre). Es ist erwiesen, dass Frauen bei etlichen Erkrankungen andere Symptome aufweisen als Männer. Obwohl im Hinblick auf z. B. Herzinfarkte die geschlechtsspezifischen Unterschiede bereits seit 1991 bekannt sind, werden aufgrund fehlender Verbreitung dieses Wissens die Herzinfarkte von Frauen häufiger fehlinterpretiert und Frauen bekommen dadurch später Hilfe. Und tatsächlich ist die Sterblichkeitsrate von Frauen höher als jene von Männern. Nicht nur Symptome unterscheiden sich, Frauen benötigen oft zudem eine andere Behandlung bzw. Medikation. Auch hier führen mangelnde Forschung und Bewusstsein in der medizinischen Praxis zu Fehlbehandlungen. Die medizinische Praxis und Forschung, genauso wie das Gesundheitswissen der Bevölkerung, orientieren sich noch immer stark am männlichen Körper als „Normmenschen“, weshalb Krankheiten, die nur Frauen betreffen, unterforscht sind. Hinzu kommt die Erfahrung von Frauen, dass ihre Schmerzen, insbesondere wenn es sich um genderspezifische Beschwerden wie Menstruationsbeschwerden, Beschwerden nach einer Geburt oder im Rahmen der Menopause handelt, von Mediziner:innen nicht ausreichend ernst genommen werden. Dadurch vergeht oft viel Zeit bis zur Diagnose, was die Heilungsmöglichkeiten reduzieren kann und zu einem verlängerten Leiden von Frauen führt. Dieses Zusammenspiel führt etwa bei Endometriose dazu, dass die Erkrankung sieben bis neun Jahre verspätet diagnostiziert wird, oft erst bei unerfülltem Kinderwunsch, obwohl davon rund 10 Prozent der Frauen im reproduktiven Alter betroffen sind. 

Frauengesundheit in Wechselwirkung 

Es darf nicht übersehen werden, dass der Gesundheitszustand von Frauen in einem Zusammenhang zu anderen sozioökonomischen Faktoren, wie Alter, Armut, Migrations-/Rassismuserfahrung, Behinderung, Bildungsstand und sexuelle Orientierung, steht. Hier kommt es zu Wechselwirkungen: Zum einen reduziert die gesundheitliche Benachteiligung von Frauen, beispielsweise Schmerzen aufgrund einer nicht diagnostizierten Endometriose, die Chancen von Frauen in sämtlichen Lebensbereichen, etwa im Erwerbsleben. Zum anderen sind Frauen aufgrund ihres sozialen Geschlechts und in Intersektion zu sonstigen Diskriminierungsmerkmalen besonderen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Frauen mit niedrigem Einkommen (= armutsgefährdet) geben beinahe doppelt so häufig an, in schlechter bzw. sehr schlechter Gesundheit zu sein, als die Gesamtbevölkerung im gleichen Alter (15 Prozent vs. 8 Prozent). Frauen sind insgesamt häufiger armutsgefährdet als Männer, bei Ein-Eltern-Haushalten (meist bestehend aus Mutter und Kind) und alleinlebenden Pensionistinnen ist dies noch eklatanter. Ein Teil der strukturellen Benachteiligung von Frauen und Mitgrund für die erhöhte Armutsgefährdung ist das hohe Ausmaß an unbezahlter Sorgearbeit, das Frauen leisten. Dieses führt im Zusammenspiel mit – oft schlecht bezahlter – Erwerbsarbeit und der damit einhergehenden prekären finanziellen Situation zu psychischer Belastung und anderen Gesundheitsrisiken. 

04. März 2025

Krisztina Juhasz, Johanna Rachbauer

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